05 Dezember 2016

Anti-Doping-Gesetz – AntiDopG

Vor einem Jahr, genauer am 18. Dezember 2015 trat das Gesetz gegen Doping im Sport (Anti-Doping-Gesetz – AntiDopG) in Kraft. Ziel des Gesetzes ist es Gesundheit, Fairness und Chancengleichheit für die Athleten zu sichern und die Integrität des Sports zu fördern. Mit der Einführung des Gesetzes sind einige Dinge verboten wurden, was genau findet man im § 2 AntiDopG 

In Deutschland ist es (gem. § 2 Abs.1 AntiDopG) verboten, ein Dopingmittel herzustellen, mit ihm Handel zu treiben, es ohne dabei Handel zu treiben, zu veräußern, abzugeben oder sonst in den Verkehr zu bringen oder zu verschreiben. Als Dopingmittel gelten dabei die in Anlage I des Internationalen Übereinkommens gegen Doping gelisteten Stoffe oder Substanzen die einen solchen enthalten. Auch das Verbot der Anwendung (§ 2 Abs.2 AntiDopG) der gelisteten Dopingmitteln oder Dopingmethoden ist hier geregelt. Aber nicht nur Händler und Dopingärzte stehen im Focus des Gesetze, auch der Konsument von Dopingmitteln kann sich strafbar machen. Denn es ist auch verboten (gem. § 2 Abs. 3 AntiDopG) Steroide in nicht geringer Menge zu erwerben, zu besitzen oder nach Deutschland zu verbringen. Anders als beim Betäubungsmittelgesetz wo der Besitz egal welcher Menge immer strafbar ist und die “nicht geringe Menge” vor allem für das Strafmaß wichtig ist, muss bei Dopingmitteln die “nicht geringe Menge” erreicht werden um strafbar zu sein. 

Welche Mengen für welches Dopingmittel als “nicht geringe Menge” angesehen werden, ist in der Dopingmittel-Mengen-Verordnung (DmMV) erfasst. Hier finden sich Mengenangaben zu Steroiden, anabolen Stoffen, Peptidhormonen, Hormonen und Stoffwechsel-Modulatoren. Werden die in der DmMV genannten Grenzwerte erreicht oder überschritten ist der Besitz, Erwerb und Einfuhr dieser strafbar. Der Blick in die “Verbrauchsliste” eines bekennenden Steroid Nutzers (siehe Quellen) zeigt dass die Mengen-Grenzwerte in etwa der Dosis für ein bis zwei Wochen entspricht. 

Ein weiterer unterschied zum Betäubungsmittelgesetz, liegt in der Zweckbestimmung. Während es bei illegalen Drogen zunächst Zweitrangig ist warum jemand eine Substanz besitzt, fragt das Anti-Doping-Gesetz explizit danach. Der Besitz oder Erwerb von Dopingmitteln wie Anabolika ist nur verboten, wenn mit ihnen Dopingzwecke (Leistungssteigerungen im Sport) verfolgt werden. Wer beispielsweise Anabolika aus medizinischen oder sonstigen Sport fernen Gründen besitzt, macht sich nicht strafbar. Dies muss Polizei, Zoll und Staatsanwaltschaft dann im Einzelfall immer mit prüfen bzw. nachweisen. Beim professionellen Bodybuilder mit Steroiden in der Sporttasche sollte das kein Problem sein. Beim “Discopumper” dem es nur darum geht auf Party und bei Instagram gut aus zu sehen, wird das schon schwieriger. Trotzdem muss jeder der Dopingmittel mitführt mit einem Ermittlungsverfahren rechnen.

Foto: © Markus Mainka - Fotolia.com

Quellen:

Gesetz gegen Doping im Sport (Anti-Doping-Gesetz - AntiDopG)

Dopingmittel-Mengen-Verordnung - DmMV

15 November 2016

11 Fakten zu Kokain

1) Kokain ist eine stimulierende Droge die in einem dreistufigen Verfahren und unter Verwendung einiger ziemlich giftiger Substanzen (Lösungsmittel, Benzoylchlorid und Methanol) hergestellt wird. Dabei wird aus 250 Kilo Kokablätter am Ende ein Kilo Kokain gewonnen.

2) Die Cocapflanze als Quelle des Kokains wird in den Anden in Südamerika (Bolivien, Peru und Kolumbien) in einer Höhe zwischen 600 und 1.000 m angebaut. Weltweit wächst der Cocastrauch auf 132.000 Hektar,  einer Fläche wie 66 mal der größte Deutsche Flughafen (Frankfurt am Main) oder 185.300 Fußballfelder.
3) Kokain ins nach Cannabis die am zweit häufigst sichergestellte Droge in Europa. Im Jahr 2014 wurden bei 78 000 Sicherstellung 61,6 Tonnen festgestellt. Mit 5,7 Mrd Euro belegt Kokain hier Platz drei bei den Marktanteilen, hinter Cannabis und Heroin. Im vergangenen Jahr zogen deutsche Ermittler die Rekordmenge von 3,5 Tonnen Kokain aus dem Verkehr.

4) Die Psychische Suchtgefahr ist das Hauptrisiko beim Kokain. Die Droge führt im Gehirn zu einer erhöhten Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin und Serotonin Produktion. Die Konsumenten fühlen sich wacher, ungehemmter und haben mehr Energie. Nach ca. einer Stunde stellt sich ein Gefühl der Leere und der Drang nachzulegen ein. Körperliche Entzugserscheinung gibt es nicht, auch Überdosierungen sind eher selten. Eine Überdosis Kokain ist bei weniger als 2 % aller Drogentoten in Deutschland die Todesursache.

5) In der EU haben 3,6 Millionen Menschen innerhalb der letzten 12 Monate Kokain konsumiert, das sind 1,1 Prozent aller Europäer. 17,1 Millionen Menschen in Europa haben überhaupt schon mal Kokain konsumiert, das entspricht 5,1 Prozent.

6) Im Jahr 2014 produzierten die Kartelle laut Schätzungen der Vereinten Nationen 943 Tonnen Kokain, der Jahresumsatz wird auf 77 Milliarden Euro geschätzt. Etwa  5,7 Milliarden Euro geben die Europäer pro Jahr für Koks aus.

7) Während in  Nord- und Mitteleuropa Amphetamine die am häufigsten Sichergestellte stimulierende Droge ist, ist Kokain in west- und südeuropäischen Ländern das am häufigsten beschlagnahmte Stimulans. Ganz vorne in der Statistik steht hier Spanien.

8) Kokain wird in Europa in zwei Formen angeboten, am  häufigsten als Kokainpulver (ein Hydrochloridsalz). Das rauchbare Crack (freie Base des Kokains) ist weniger verbreitet aber Aufgrund des schneller und heftiger eintretenden Rausches auch stärker und gefährlicher.

9) In Europa liegt der Reinheitsgehalt von Kokain zwischen 36 und 50 Prozent, die Preise liegen zwischen 52 und 72 Euro pro Gramm.  In Sylt kostet eine Portion 100 Euro, in Berlin zwischen 40 und 60 Euro. Wobei auch Kokain ein Sommerloch kennt und dann in Deutschland günstiger wird.

10) Abwasseranalysen haben ergeben dass in Deutschland Dortmund die Hauptstadt des Kokain Konsum ist. Die Tatsache dass der Konsumschwerpunkt unter der Woche liegt, zeigt das Kokain immer mehr von einer Party- zu einer Alltagsdroge wird.

11) Die erste Rezeptuhr des Erfrischunggetränks Coca-Cola enthielt bis 1906 einen Extrakt aus Cocablättern (und erhielt so seinen Namen), sodass ein Liter Coca-Cola rund 250 Milligramm Kokain enthielt. Auch heute enthält Coca-Cola noch Inhaltsstoffe der Cocablätter, aber nur nichtalkaloide ohne Rauschwirkung.


Foto: Wikipedia

08 November 2016

Social Media Sucht

Morgen findet in Berlin die Jahrestagung 2016 der Bundesdrogenbeauftragten statt. In diesem Jahr geht es um das Thema Internetsucht, dem neuen Sucht Phänomen der digitalisierten Gesellschaft. Unter dem Motto "Webholic sucht Hilfe" soll über Fragen rund um das Thema Medienabhängigkeit sowie über die aktuelle Beratungs- und Behandlungssituation diskutiert werden. Die aktuelle Studie "Prävalenz der Internetabhängigkeit – Diagnostik und Risikoprofile (PINTA-Diari) geht davon aus, dass in Deutschland etwa 1 % der 14-65-Jährigen internetabhängig sind, weitere 4,6 % der 14- bis 64-Jährigen werden als problematische Internetnutzer angesehen.. 

Weitere Ergebniss von PINTA-Diari:
  • 37 % der Abhängigen gaben an, dass sie hauptsächlich Online-Spiele spielten, weitere 37 % das sie in sozialen Netzwerken aktiv waren und 27 Prozent nutzten andere Internetanwendungen
  • Männer und Frauen fast gleichermaßen von Internetabhängigkeit betroffen, während Männer mehr zocken sind Frauen eher in sozialen Netzwerken unterwegs
  • In der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen ist die Verbreitung am größten: 2,4 Prozent abhängige und 13,6 Prozent problematische Internetnutzer. 

Die meisten Experten rechnen Störungsbilder im Bereich der Computerspiel- und Internetnutzung den stoffungebundenen Suchterkrankungen (Verhaltenssüchten) zu. Da es Computerspiele bereits länger gibt als Soziale Netzwerke, ist dieser Phänomänbereich auch schon besser wissenschaftlich beleuchtet. Bereits seit 2013 liegen Belege zu “Störungen mit Krankheitswert” im Bereich der pathologischen Nutzung von Computerspielen vor und sind als „Internet Gaming Disorder“ bezeichnet. Bei neueren, internet bezogenen Verhaltensweisen wie die Nutzung sozialer Netzwerke, Chatten oder der Informationssuche ist man sich noch nicht einig ob sie ebenfalls den Verhaltenssüchten zuzuordnen sind. 

Schon die Ergebnisse von” PINTA-Diari” zeigen aber, dass die Internetabhängigkeit mit deutlichen negativen Auswirkungen verbunden ist. Das gilt sowohl für das Online-Spielen wie auch für Soziale Netzwerke und weitere Internetanwendungen. Da vor allem Frauen einer stärkeren Gefährdung durch Soziale Netzwerke unterliegen, müssen die bislang meist auf die Klientel der Computerspieler zugeschnittenen Interventionsangebote eine Erweiterung für das Problemfeld “Social Media Sucht” erhalten. 

Denn eines ist klar. Die Grundlage jeder Sucht liegt in den neuronalen Netzwerken des Belohnungssystem im Gehirn. Ob virtuelles Schaulaufen, positive Feedbacks oder möglichst viele “Freunde” und “Likes” sammeln. Soziale Netzwerke können Glücksgefühle auslösen. Das ist, wie auch eine Veränderung im Gehirn bei exzessiver Nutzung, bereits hinreichend belegt. Doch unter welchen Voraussetzungen das zum Problem bzw. zur Suchterkrankung wird und was dagegen zu tun ist bedarf noch einiger Forschung.

Foto: sebra

Quellen: Themeseite der Bundesdrogenbeauftragten und Artikel "Süchtig nach virtuellen Streicheleinheiten" aus Gehirn und Geist Ausgabe 1/2015